Gute Schulden, schlechte Schulden

Gestern las ich die Schlagzeile „Jeder zehnte deutsche Erwachsene ist überschuldet“ (Quelle: Spiegel Online). In Zahlen sind das 6,8 Millionen Menschen, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können, mit steigender Tendenz. Eine Größenordnung, die mich nicht unbedingt überrascht, aber dennoch sehr nachdenklich macht.

Die Gründe dafür können selbstverständlich vielfältig sein. Eine große Rolle spielt dabei jedoch ein oft fehlendes Verständnis, ja ein mangelndes Gespür für den Umgang mit Geld.

Was mich dabei besonders besorgt ist folgender Gedanke: seit mittlerweile mehreren Jahren erscheint Sparen den Menschen nicht mehr lohnenswert, da die Renditen der einfachen Finanzprodukte bei nahezu 0% liegen. Stattdessen sind Schulden plötzlich attraktiv, eben wegen des niedrigen Zinsniveaus. Selbstverständlich ist die Materie viel zu komplex, als dass man behaupten könnte, Schulden aufzunehmen sei attraktiver als Vermögen anzusparen.

Problematisch ist folgendes: für Menschen, die sich nicht näher mit den vielfältigen, immer noch gute Renditen erzielenden Anlagemöglichkeiten befasst haben, wirkt es auf den ersten Blick so. Wir Weltmeister im Sparen sehen eine Generation heranwachsen, die mit dem Eindruck aufwächst, dass Sparen eben nicht mehr so einfach belohnt wird. Schulden aufzunehmen hingegen verliert aufgrund der niedrigen Darlehenszinsen seine Dramatik – eine sehr ungünstige Situation.

Schulden / Darlehen sind grundsätzlich ja nicht schlecht, entscheidend ist für welchen Zweck ein Darlehen aufgenommen wird – das bringt mich zum eigentlichen Thema:

Gibt es gute Schulden?

Eine Darlehensaufnahme ist dann vertretbar, wenn der Darlehenshöhe ein gleichwertiger Gegenwert gegenübersteht und/oder durch die Aufnahme des Darlehens ein Mehrwert geschaffen wird.

Beispiel 1 – Immobilienkauf: im wahrscheinlichsten Fall reicht dein Eigenkapital nicht aus, so dass du zur Finanzierung des Restbetrages ein Darlehen aufnimmst. Die Immobilie liefert einen stabilen Gegenwert und erzeugt in der derzeitigen Marktsituation möglicherweise sogar einen Mehrwert durch Wertsteigerung.

Beispiel 2 – Investition in Bildung: du nimmst ein Darlehen auf für ein Studium oder eine Weiterbildung, die dich besser qualifiziert und dir damit ein höheres Einkommen in Aussicht stellt. Eine gezielte Investition in Bildung liefert dir damit einen finanziellen Mehrwert.

Beispiel 3 – Expansion deines Geschäfts: du bist selbständig und benötigst Fremdkapital für Marketingmaßnahmen um einen neuen Markt zu erreichen oder ein neues Produkt herauszubringen. Hier ist eine sorgfältige Kalkulation und Risikoabwägung selbstverständlich Grundvoraussetzung. Der Zweck des Darlehens ist aber auf einen Mehrwert ausgerichtet, insofern sind es erstmal gute Schulden.

So. That being said, was sind eigentlich schlechte Schulden?

Schlechte Schulden

Wenn Schulden eben keinen stabilen Gegenwert haben oder keinen finanziellen Mehrwert erzeugen, halte ich diese für bedenklich. Ein Paradebeispiel dafür sind Konsumschulden – für das neue teure Smartphone, den fetten Flatscreen-Fernseher oder noch schlimmer: den nächsten Urlaub.

Versuch‘ mal, ein Smartphone oder den Fernseher nach einigen Monaten weiter zu verkaufen. Du wirst feststellen, dass du nur noch einen Bruchteil des Kaufpreises dafür erhältst, da diese Dinge einem hohen Wertverlust unterliegen. Beim finanzierten Urlaub ist es noch krasser, der ist nämlich nach 2 Wochen vorbei und damit aufgebraucht. Da kannste beim Abbezahlen der Finanzierungsraten regelmäßig in schönen Erinnerungen schwelgen.

Du siehst, Konsumschulden unterliegen keinem stabilen Gegenwert, einen finanziellen Mehrwert liefern sie schon gar nicht.

Für Menschen ohne finanziellen Überblick sind Konsumschulden besonders bedenklich wenn sie sich anhäufen. Die 50 Euro-Rate für den Fernseher gesellt sich zu der 20 Euro-Rate für das Smartphone, verbunden mit den 100 EUR für die Küche sind es dann schon 170 Euro monatlich, die abbezahlt werden müssen.

Was ist die Lösung?

Bei Konsumgütern oder Urlaub gilt: erstmal sparst du gezielt auf diese Ziele hin und verdienst dir den Konsum. So kannst du die tollen Gadgets oder den Traumurlaub in einer Summe bezahlen – und sie richtig genießen. Du vermeidest, finanziell den Dingen hinterher zu hinken, sondern hast diese Dinge abbezahlt im Moment des Kaufes und kannst schon das nächste Sparziel ins Auge fassen. Wie du das anstellst und dauerhaft durchziehst, erfährst du übrigens mithilfe von „Mein Geldplaner 2017“

Am Ende wird Sparen damit doch noch belohnt, indem du dich belohnst. So funktionieren gesunde Finanzen, die dich nachts auch weiterhin gut schlafen lassen.

Hast du noch weitere Beispiele für gute und schlechte Schulden? Wie sehen deine Erfahrungen damit aus?

Alles Liebe


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2017-05-03T09:25:18+00:00 10. April 2017|Categories: Featured, Persönliche Finanzen, Selbständige, Sichtweise|0 Comments

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